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Money for nothing - Wie mache ich viel Geld? Bikemagazin auf dem Prüfstand
Geschrieben von Michael Kozlowski   
Samstag, 13. September 2003
Bike - Magazin auf dem Prüfstand - TestNeues Jahr, neues Glück. Beim Zeitschriftenhändler überkommt einen immer das Gefühl mindestens einen Monat in der Zukunft zu sein. Schon im Dezember kann gelesen werden was im Januar passiert, bzw. passiert ist. Ein wenig enttäuscht über die Resonanz auf unsere Seite (welche Resonanz?) betrieben wir ein wenig Ursachenforschung. Liegt es an unseren Themen? Sind unsere Artikel nicht gut genug recherchiert? Am besten wir schauen was die kostenpflichtige Konkurrenz so treibt. Also, schnell ein paar Bikezeitungen aus dem Regal gezerrt und einen Blick in die Zukunft des Mountainbikesports riskieren. Leicht wankend (vom herben Eingriff in unsere Geldbörse) verschwinden wir aus dem Kiosk. Vier Euro pro Zeitschrift! OK, keiner hat behauptet ein Blick in die Zukunft wäre billig. Für acht DEM gab es früher (in der guten alten "Deutsche Mark" Zeit) einen Playboy mit aufwendigen Hochglanzbildern, welche virtuos retuschiert waren. Als kleine Anmerkung: Vor 10 Jahren war man mit 50 DEM Taschengeld schon als Kapitalist geoutet!

Erstes Testobjekt ist die "Bike". 3,90 Euro für 130 Seiten geballte Mountainbikeinformationen. Denkste! Gehen wir die ganze Geschichte pragmatisch an!
Die 130 Seiten teilen sich wie folgt auf:
1 Seite Titel
2 Seiten Poster
38 Seiten Kleinanzeigen und Bikemarkt
2 Seiten Bike Abo
6 Seiten Werbung ( Format 1/1 Seite)
2 Seiten Werbung ( Format 1/2 Seite hoch)
2 Seiten Inhaltsverzeichnis
1 Seite Foto Federgabel
1 Seite Foto Fullytest
6 Seiten zum Thema Inversionswetter (Fotostory) der gesamte Text dieser Seiten beläuft sich auf 18 Zeilen
1 Seite Foto Sattelstütze gefedert
1 Seite Foto "Grauer Star" (Bikeselbstbau)
2 Seiten Foto Karin Eller (Das Portrait hat uns gut gefallen und die Fotos sind recht gelungen)
1 Seite Foto Waldspielplatz 3 Textzeilen
2 Seiten Foto Spotguide 4 Textzeilen
2 Seiten Foto Spotguide
2 Seiten Foto Pendler auf dem Mountainbike
1 Seite Vorschau

Das macht 73 Seiten zuzüglich 7,5 Seiten halbseitige Fotos also summasumarum 80,5 Seiten.
Folglich bleiben 49,5 Seiten für Text (Eigentlich sind es viel weniger, wenn wir die restlichen Fotos noch abziehen). Nicht berücksichtigt sind ebenfalls kurze Meldungen, die aller Wahrscheinlichkeit nach, auf Pressemeldungen zurück zu führen sind. Gehen wir einfach mal davon aus, dass es vier weitere Seiten sind. Es bleiben also 45,5 Seiten redaktionell zu füllen. Laut Impressum gibt es 8 Redakteure. Wir teilen also die 45,5 Seiten durch 8 Mitarbeiter und erhalten die Anzahl der Seiten die jeder dieser Mitarbeiter füllen muss; 6,2 Seiten. Nehmen wir weiterhin eine 40 Stunden Woche an (Ver.di möge uns verzeihen); Folglich muss jeder Redakteur in 160 Stunden 6,2 Seiten füllen; 25,8 Stunden pro Seite. Natürlich ist dies nicht die Zeit die man benötigt um eine Seite "Vollzuschreiben". Schreiben alleine reicht jedoch nicht. Um einen Artikel "bringen" zu können müssen Informationen gesammelt, Telefonate geführt werden usw. Produkttests sind sehr aufwenig, Aufbau der Testkomponenten etc. (Bauen die Redakteure wirklich noch selber?). Wir wollen hier die journalistische Leistung nicht bewerten, sondern die Zeitschrift selber. Entschuldigt bitte den Ausflug in die Mathematik.

Wir finden auf den 45,5 Seiten den 1 Millionsten Federgabeltest, den 2 Millionsten Federsattelstützentest und so weiter. Echtes Highlight ist das Portrait "Karin Eller", die Fotos sind gelungen, der Text ist flott geschrieben und liest sich gut. Das Titelthema Reiseschnäppchen entpuppt sich als totaler Reinfall. Fünf Locations die jeder kennt (Mallorca und Co.), kurz angerissen, lustloser Link dazu, fertig... Ein Aufreisserthema welches im Moment jedes Magazin bringt! Der Hinweis auf die Billigflieger ist zwar nett, doch warum steht in dem Artikel nichts zu den Preisen für das Bike? Keine Lust gehabt zu recherchieren? Oder fliegt das Bike gar umsonst? Außerdem gab es einen Artikel zu diesem Thema schon auf der mtb-extreme (mit Preisen für den Biketransport). Auch der Artikel Pendler auf dem Bike kann nicht begeistern. Oma Elise (76) von neben an fährt mit Ihrem Bike (Eiche Rekord) 10 Kilometer bis zum Markt und keiner schreibt darüber.

An der technischen Ausführung der Tests gibt es nichts zu bemängeln. Fraglich ist allerdings der Sinn des Edelbike-Tests. Uns drängt sich der Eindruck auf, dass die Redaktion sich mal so richtig austoben wollte. Aber gut, auch das muss sein. Warum solche Tests allerdings immer in Gegenden stattfinden in denen "Ottonormal-Biker" seinen Urlaub verbringt ist uns ein Rätsel. Die meiste Zeit bewegt man sein Mountainbike schließlich nicht am Gardasee (außer die die das Glück haben dort zu wohnen), sondern auf dem heimischen Waldtrail vor der Haustür. Der Rollentest verdient seinen Namen nicht, er ist vielmehr eine Produktvorstellung in klein. Die aufgeführten Trainingspläne ebenfalls. Ganz nett sind die Touren und Locationtipps, doch diese leben auch von den Bildern nicht vom Text. Der Workshop zum Bikeselbstbau ist brauchbar, doch wehe der Do-It-Yourself-Schrauber hat zwei linke Hände. Das Leserbike ist ganz nett. Besonders gut hat uns der Einleitungssatz im Editorial gefallen: "Es geht uns schlecht auf hohem Niveau".

Fazit:
Es stellt sich die Frage ob es sinnvoll ist, jede Zeitschrift, jeden Monat zu kaufen. Letztendlich ist es eine endlose Wiederholung der Themen der Vorjahre: Kettentest im Frühjahr, Schutzblech und Lichttest im Herbst, Klamottentest im Winter usw...
Selbstverständlich ist klar, dass es immer neue Modelle gibt, doch wirklich revolutionär ist schon lange nichts mehr. Solange die Leserschaft bereit ist Geld für solche Themen auszugeben, solange wird es diese Tests geben. Ob ein Magazin solche Unmengen an Fotos braucht halten wir auch für fraglich (die Bravo-Poster-Zeit ist bei den meisten vorbei), zumindest wenn das Motiv immer Biker (klitzeklein) mit Berg, Biker mit Meer, Biker mit Wald, Biker mit "was-weiss-ich" ist. Die Zielgruppe der Zeitschrift "bike" ist allerdings klar getroffen. Einsteiger mit Ambitionen zu mehr. Für diese Gruppe ist das Magazin genau richtig (wenn es sich um CrossCountry Fans) handelt. Für Downhiller, Freerider und Trialer kann die "bike" nicht empfohlen werden.
Die Website der "bike" lässt sich mit viel "Wohlwollen" als schnörkellos bezeichnen. Besser so, als mit endlosen Ladezeiten, Flashgemurckse und so weiter; Ein wenig mehr Pfiff und Übersicht würden der Seite gut zu .Gesicht stehen. Als kostenfreie Zugabe zum Printtitel ist die Seite aber OK. Tipp von uns an die Macher: Sortiert doch mal den alten Kram von 2001 und früher aus. Schaut einfach mal vorbei unter: http://www.bike-magazin.de/

Wir finden:
Nettes Bilderbuch zum überhöhten Preis.

Tipp:
Wer auf der Suche nach Produktinformationen ist, findet im Internet direkt bei den Herstellern genügend Informationen. Zum Thema Reise gibt es auch mehr als genug Seiten im Netz und wer wissen will welche Probleme mit welchen Parts auftreten, der sollte mal die Mountainbike-Foren abklappern. Für 3,90 Euro kann man schließlich jede Menge Zeit im Internet verbringen.

PS:
Klasse finden wir die Idee der "Pocket-" Ausgaben. Einige Computerzeitschriften bringen Ihre Publikationen im Kleinformat zum halben Preis in den Handel. Besser für unterwegs, besser als "Klo-Lektüre und die Umwelt schont es auch (halbes Format, halbe Menge Papier).

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