Nach langer Pause muss ich mich hier
einfach mal zu Wort melden. Das Deutschland schon lange nicht mehr
das Schlaraffenland ist, dürfte mittlerweile jedem, der hier
wohnt, klar geworden sein. Der Wirtschaft geht es besser den je,
trotz und gerade deshalb sind mehr freie Kapazitäten (ich
verwende hier bewusst nicht das Wort „Arbeitslose“) auf dem
Markt. Gesundheit wird immer mehr zum Privileg der Reichen. Energie
aus fossilen, „umweltfreundlichen“ Energien wird bald nicht mehr
zu bezahlen sein. Diese und noch viele andere Schlagwörter
könnte ich hier aufzählen. Um den Mut nicht zu verlieren,
suchen wir nach Helden.
Früher war es ein „Siegfried, der
Drachentöter“, später dann der Mensch von nebenan, der
Gutes vollbrachte. Und heute? Wer sind heute unsere Helden?
Polizisten und Feuerwehrleute? Im Einzelfall vielleicht. Aber die
ganze Nation sucht sich Vorbilder. So zum Beispiel Michael
Schumacher. Sicherlich ein brillanter Fahrer. Aber meiner Meinung
nach als Mensch völlig überbewertet. Ihm fehlt einfach die
Aura des Helden. Zu glatt wurde sein Image von PR-Beratern gebügelt,
als das es noch glaubwürdig ist. Trotzdem, seine Leistung lässt
ihn zum sportlichen Gegenstück von Einstein werden...
Helden der Berge?
Als Mountainbike-Fan hat man es bei der
Suche nach dem universellen Helden schon schwerer. Kaum einer ist
über die Zielgruppe hinaus bekannt. Deshalb weiten wir unseren
Blickwinkel und siehe da, wer rückt ins Sichtfeld? Richtig!!!
Jan Ullrich! Gefallener Eroberer der Tour de France. Doch wir wollen
nicht ihn persönlich verteufeln, sondern die Mentalität,
die im Sport Einzug gehalten hat. Sieg um jeden Preis! Sicherlich
muss dies die Maxime eines jeden Gladiators der Neuzeit sein. Der
Sieg um jeden Preis unter Zuhilfenahme aller zur Verfügung
stehenden legalen Mittel!!! Leider beschränkt sich die
Wahl der Waffen nicht mehr auf die Erlaubten, sondern es wird ein
Trend in Richtung Unerlaubten verzeichnet, welcher in der Geschichte
seines Gleichen sucht! Sicherlich ist das Phänomen nicht damit
zu erklären, dass Kinder durch die Geschichte von Hase und Igel
und David und Goliath bereits den Eindruck vermittelt bekommen, das
Lug und Trug gesellschaftlich akzeptabel sei. Der Schwächere
besiegt den Stärkeren durch List und Tücke. Dies auf den
Sport zu übertragen, halte ich für mehr als fragwürdig.
Beim Sport geht es eigentlich um Fairness, um einen Kräftevergleich
unter Bedingungen die für alle teilnehmenden Kämpfer gleich
sind. Sicherlich sind im Moment die Rennradfahrer die Bösen.
Doch wer sich selbst gegenüber ehrlich ist, der weiß, dass
in allen anderen Sportarten genauso hemmungslos gedopt und betrogen
wird, wie im Rennradbereich.
Dann lieber keinen Sport!
Genau hier ist für mich der Punkt
erreicht, an dem Sport ad absurdum geführt wird. Wer betrügt,
um zu siegen, der hat den Sinn und die Botschaft, welche hinter einem
sportlichem Wettkampf steht, nicht verstanden. Das ist so, als würde
ein Soldat sagen: Kommt ruhig raus, wenn Ihr Euch ergebt passiert
Euch nichts und dann doch alle erschießt. Moralisch und ethisch
nicht zu vertreten.
Ein Sportler der dopt, könnte
seinen Gegnern besser ein Messer ins Bein stoßen oder ihm die
Arme abhacken. Es wäre kein Unterschied zur Einnahme verbotener
Substanzen. Meiner Meinung nach sind die Strafen viel zu gering.
Zwei oder vier Jahre Sperre? Lächerlich! Der Betrug - oder auch
nur der Versuch - ist das Schlimmste, was bei einem sportlichen
Wettkampf getan werden kann.
Ich bin nicht gedopt und deshalb dürft Ihr
mich nicht untersuchen!
Bei Dopingverdacht eine Blutprobe
verweigern? Wieso verweigern, wenn man nichts zu verbergen hat? Wie
kann so etwas in Ordnung sein? Fährt man betrunken Auto, hat man
diese Möglichkeit nicht. Die Blutentnahme wird richterlich
angeordnet und fertig (wohl gemerkt, der betrunkene Autofahrer
verdient weder sein Geld mit dem Fahren unter Alkoholeinfluss, noch
steht er im Blickfeld der Öffentlichkeit, er gefährdet nur
selbige). Es gilt, den Sport wieder ehrlich werden zu lassen. Schön,
dass Leute wie Ullrich einen neuen Job gefunden haben. Doch was, wenn
er wirklich gedopt war? Dann trainiert er jetzt ein Team und kann
sicher sein, dass wenn er dieses zum Sieg spritzt, er keine
Konsequenzen fürchten muss. Jemand der betrügt, oder auch
nur in den Verdacht gerät, nicht ehrlich seine Siege errungen zu
haben, sollte für niemanden Vorbild sein dürfen. Wieso
können weitere Tests verweigert werden? Hier geht meine
Forderung an die Verantwortlichen ganz klar in eine Richtung: Wer
betrügt, oder dies versucht, sollte auf Lebenszeit von allen
sportlichen Events und dem damit zusammenhängenden Umfeld
ausgeschlossen werden (wie bei Ärzten, sollte ein Berufsverbot
ausgesprochen werden).
Legalize it!
Die andere Lösung wäre das
legalisieren von Dopingsubstanzen. Dann kann es, wie in der Formel 1,
eine Fahrer- und eine Konstrukteurswertung (Pharmakonzernwertung)
geben.
Ich distanziere mich hier völlig
von allen Betrügern und Dopern und Leuten die dies gut heißen.
Dopen heißt, den sportlichen Gedanken vergewaltigen und sollte
genauso geächtet sein wie Raub und Mord.
Hartes Training ist notwendig!
Ich möchte die Leistung der
Sportler, die sich illegaler Mittel bedienen, nicht schmälern.
Mit Sicherheit kann kein talentfreier, untrainierter
Durchschnittsradler oder Jogger, oder was auch immer, durch ein
„Spritzken“ mit der Weltelite mithalten. Trainiert werden muss in
jedem Fall. Doch da es um 1000stel Sekunden geht und ein
Leistungsunterschied sich nicht mehr in Minuten ausdrückt, ist
es noch verwerflicher dem Sportler gegenüber, welcher seine
Leistung ohne Drogen erreicht.
Wie schlecht muss es um die Moral eines
solchen Betrügers bestellt sein, wenn er sich offensichtlich
„ehrlich“ über einen unverdienten Sieg freuen kann. Auch
Argumente wie: „Die anderen machen es doch auch“, zeugen von
einem fundamentalen Unverständnis des sportlichen Geistes.
Um Jan Ullrich nicht alleine stehen zu
lassen, hier exemplarisch noch einige Überführte, welche
mit unlauteren Mittelchen die Sympathie der Zuschauer einheimsten:
Tom Simpson (1967 der erste Dopingtote
der Tour de France)
Ben Johnson (1988 Weltrekord über
100 Meter, Stanozolol sei Dank)
Katrin Krabbe(1991 Weltsportlerin des
Jahres mit Clenbuterol)
19 Mitglieder des Festina Tour de
France Teams von 1998 (EPO-Power macht die anderen sauer)
Dies ist natürlich nur die
berühmte Spitze des Eisbergs.
Fazit: Traue keinem, der
schneller ist, als du selbst. Leider kann man die Leistungen eines
Ausnahmesportlers kaum noch würdigen, da im Hinterkopf immer die
Frage herumschwirrt, ob die Leistung ohne Pharmaindustrie zustande
gekommen ist. Somit wird betrugsfreier Sport immer unattraktiver.
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