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Fight for your Right! Entpuppt sich das Jekyll als Mr. Hyde?
Dienstag, 1. Januar 2002
Diese Frage stellt sich einer unserer Leser (Name der Redaktion bekannt). Wir wollen jedem die Möglichkeit geben seine Meinung zu äußern, deshalb veröffentlichen wir hier einen Leserbrief der an Cannondale gerichtet ist (und als positive Kritik zu werten sein sollte). Nach heftigen Diskussionen in der Redaktion bezüglich des Inhalts, haben wir uns entschlossen diesen zu veröffentlichen. Ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, möchten wir nicht bewerten.
Doch sollte Cannondale wenigstens auf solche Briefe reagieren. Wir weisen auch nochmalig darauf hin, dass wir die Aussagen nicht geprüft haben. (Cannondale kann jedoch jederzeit eine Gegendarstellung an uns senden, die wir natürlich auch veröffentlichen werden). Die hier wiedergegebenen Meinungen der Redaktion sind subjektiv und privater Natur (persönliche Erfahrungen).

Schnelle Reaktion von Cannondale! Gestern angeschrieben und heute schon die Antwort.
Das sagt Cannondale zum Leserbrief!

Und was Stefan dazu sagt!

Meinungen der Redaktion:

Michael: Die Kritik am Bike sind teilweise berechtigt, allerdings sollte man Sachen wie den Verschleiß von Reifen im Zusammenhang mit der Fahrweise sehen. Das an einem Mountainbike mehr Verschleiß und defekte Auftreten, ist aufgrund der höheren Beanspruchung normal. Ich kann hier wieder nur mein Klein ins Rennen führen. 5000 km Gelände und das einzige was gewechselt wurde sind Reifen und Steuersatz (Chris King ist einfach cooler und besser 10 Jahre Garantie).

Waldy: Die Kritiken am Bike sind völlig unberechtigt. Zum Thema Reifenverschleiß ... (mein Tipp: Finger weg von der Bremse!) Neue Schaltungen bedürfen immer einer Nachstellung. (Wird vom Händler fast immer kostenlos als Service angeboten). Mehr Technik heißt auch mehr Fummelei. (Rennrad hat keine Scheibenbremsen, keine Federung, etc.) Das die Bremsleistung bei längeren Abfahrten nachläßt (Fading) kann bei diversen Bremsherstellern vorkommen. Die 0,4 mm schief abgelaufenen Bremsbeläge sollten kein Problem darstellen. Eigentlich sind die Magurabremsen problemlos und Magura bietet einen hervorragenden Service. Bremsen sollten niemals von einem Laien gewartet werden. Bei Fehlfunktion Garantie beanspruchen. Auch lassen sich Auto und Bike-Bremsen nicht vergleichen. Prinzipbedingt funktionieren sie zwar gleich, Konstruktionstechnisch sind die Unterschiede aber erheblich.

Hier der Leserbrief:

Am 18.08.01 habe ich erstmals Cannondale-Europe meinen Erfahrungsbericht mit der Bitte um Stellungnahme zugeschickt. Leider habe ich darauf keine Antwort erhalten. 4 Wochen später habe ich dies nochmals versucht. Auch der Hinweis meine Erfahrungen mit dem Jekyll und Cannondale weiterzuleiten, brachten keinen Erfolg.
Bis heute habe ich keine Nachricht erhalten. Anscheinend hat Cannondale kein großes Interesse an zufriedene Kunden. Cannondale Jekyll 700, Erfahrungsbericht über die ersten Wochen mit einem neuen Bike

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Triathlet fahre ich ca. 10.000 km Fahrrad im Jahr, den größten Teil davon Rennrad. Zwischendurch fahre ich auch Mountainbike. Wartungsarbeiten an den Rädern führe ich alle selber durch. Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit als Diplom Ingenieur in der Hardwareentwicklung von Telefonen bei Siemens besitze ich Erfahrungen im Umgang mit sensiblen Geräten und auch mit der Großserienfertigung.

Kurzfristig habe ich über meinen Arbeitgeber einen Startplatz für den Transalp Challenge erhalten. Da mein Mountainbike (Giant Terrago) schon 11 Jahre alt ist, habe ich mir aus Sicherheitsgründen ein zeitgemäßes MTB gekauft. Ihr Jekyll 700 sprach mich nicht nur optisch, sondern auch technisch sehr an, so das ich mir dieses anschaffte.

Mit den Fahreigenschaften bin ich sehr zufrieden. Besonders gefällt mir die einfache und sehr schnelle Möglichkeit des Lock out der Federgabel, bei dem Dämpfer bedarf es allerdings immer viel „fummellei“ bis dieser nach einem Anstieg, leider meist schon innerhalb des Downhills, von Maximaldämpfung auf Normaldämpfung gestellt ist. Ein ergonomischeres Stellrad oder eine Fernbedienung am Lenker wäre hier hilfreich.

Leider habe ich in der vergangenen Zeit auch die folgenden Erfahrungen sammeln müssen:

1. Originalbereifung, hinten, war innerhalb von 5 Wettkampftagen abgefahren. Materialfehler?

2. Die Schaltung hackte ab dem 3. Tag, selbst spülen der Bowdenzüge mit Ballistol brachte keine Verbesserung.

Hierzu habe ich zwei unterschiedliche Aussagen von Mechanikern erhalten:
a. Es hat bei dem Zulieferer der Schaltung Probleme mit der Federvorspannung gegeben. Materialfehler?
b. Durch die Führung des Schaltungszuges am Rad wird Dreck auf den Zug geworfen, der durch das Schalten in den Bowdenzug gelangt. Abhilfe hier nur durch die Verwendung von Gore-Zügen.
Entwicklungsfehler und auch Ausstattungsfehler?

3. Beim Aufrichten des liegenden Rades am Sattel riss die Satteldecke 3 cm ein. Keine Folge eines Sturzes!
Das ist mir bei all meinen Fahrrädern noch nie passiert. Die Satteldecke scheint hier extrem dünnhäutig zu sein.
Vielleicht liegt hier auch ein Fertigungsfehler vor.

4. Bei längeren Bremspassagen ließ das Bremsverhalten etwas nach. Nicht schlimm, aber spürbar.

5. Mein Teamkollege hat zur gleichen Zeit, aber bei einem anderen Händler, ein Jekyll 700 für die Tour gekauft. Bei genauem Hinsehen unterscheiden sich die Räder in den Punkten Sattel (hochwertiger Bezug), Bremsgriffe (aus Alu und nicht aus Plastik, selbst Räder unterhalb von 2000,00 DM haben Alu-Bremshebel), Neoprenkettenstrebenschutz (ich habe mir einen kaufen müssen) und Hinterradschwinge. Hier habe ich den Eindruck, das Cannondale die Ausstattung geändert hat, ich die Sparversion gekauft habe. Bei meinem Kollegen traten die Punkte 1,2 u. 4 auch auf, demnach wohl kein Einzelfall!

Nach dem Wettkampf erfolgte meinerseits eine gründliche Reinigung und Kontrolle des MTBs. Die Reinigung erfolgte, so wie auch während der Wettkampfzeit, mit Wasser, aber nicht mit einem Hochdruckreiniger. Danach habe ich folgendes festgestellt:
-Bei den Laufrädern befand sich hinter den Abdeckungen der Industrielager etwas Wasser, kaum Fett.
-Der Lauf der Klickpedalen fühlte sich trocken, fettarm, an. Mein Mechaniker erklärte mir wie ich diese zum Nachfetten öffnen kann. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen das diese mit nicht gekapseltem Kugellager, so wie früher bei Billigpedalen, aufgebaut sind. Das Einstellen des Lagerspiels ohne Spezialwerkzeug ist nicht möglich.
-Die Kontrolle der Bremssatteljustage zeigte, dass die Scheiben dezentriert, fast am Gehäuse der Bremssättel sich befanden. Die vorderen Bremsscheiben habe ich entfernt und die Belagsdicke mit einer Schieblehre kontrolliert. Zu meinem Erstaunen war ein Belag um 0,4 mm schief abgelaufen. Wahrscheinlich durch den dejustierten Bremssattel. In der Werkstatt wurde zusätzlich festgestellt, dass auch die hinteren beiden Bremsbeläge schief abgefahren sind. Alle Bremsbeläge mussten, da sie die Verschleißmarke erreicht hatten, ausgetauscht werden. Ich war bislang der Meinung, das Scheibenbremsbeläge etwas länger als eine Tour von 8 Tagen halten würden. Stimmt auch hier etwas mit dem Material nicht?

-Da sich auf dem Video, was ja die Bedienungsanleitung darstellt, kein Hinweis auf etwaige schwerwiegende Wartungsfehler beim Umgang mit der Bremsanlage befand, habe ich so wie beim Auto den Bremskolben ohne Rad und Beläge etwas herausgedrückt und anschließend mit einem stumpfen Gegenstand zurückgedrückt. Anschließen ließen sich neue Beläge aufgrund des jetzt erst recht festsitzenden Kolbens nicht mehr einbauen. Auf der Homepage von Magura habe ich den Hinweis gefunden, dass diese Vorgehensweise falsch ist. Wenn diese Bremse so empfindlich reagiert, warum befindet sich nicht ein Hinweis auf Ihrem Video?

Zusammenfassend habe ich den Eindruck, das bei einem 4.500,00 DM teuren Bike bei der Ausstattung z. T. an den Komponenten stark gespart wurde. Die Annahme mit Ihrem neuen MTB auf eine große Tour gehen zu können trifft leider nicht zu, das hat mich sehr enttäuscht.

Austausch von den Schaltungszügen und der Originalbereifung ist unbedingt notwendig, Ersatzbremsbeläge mitzuführen ist angebracht und einen Sattelüberbezug wäre empfehlenswert. Die Klickpedalen kann man getrost nach der Tour dann austauschen, wichtige Informationen über die Wartung neuer Technik am Rad unbedingt beim Komponentenhersteller übers Internet einholen und wer nicht auf Plastik steht, darf die Bremshebel austauschen.

Mit der Bitte um eine Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan P.

Die Antwort von Cannondale:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Leider ist das betroffenen Verbrauchermail durch einen Mitarbeiterwechsel "untergegangen".
Wie Sie bereits richtig erkannt haben, ist ein nachträgliches justieren von Schalt- und Bremseinheit durch einen Fachhändler nach einer gewissen "Einlaufzeit" unumgänglich (Selbst ein Raketenforscher muss nicht unbedingt sämtliche Eigenheiten von Bike-Komponenten kennen), leider hält auch kein Reifen ewig. Bei all unseren Bikes sind ausführliche Bedienungsanleitungen von uns, oder dem Hersteller der einzelnen Komponenten beigefügt - die genaue Wartung einer bestimmten Scheibenbremse gehört daher nicht in die allgemeine Betriebsanleitung. Interessant wäre es zu wissen, ob der Kunde bei Kauf des Rades sämtliche Anleitungen, sowie eine genaue Einweisung auf das Bike erhalten hat.

Sein Vorschlag zur Verstallbarkeit des Dämpfers wurde bereits vor einiger Zeit durch FOX umgesetzt, indem Dämpfer auf dem Markt angeboten werden die (z.T. auch per Fernbedienung) blockierbar sind.

Nach der Schilderung der beiden genannten Bikes handelt es sich um Modelle verschiedener Jahrgäge - keinesfalls um eine Art "Billigversion". Generell behalten wir uns kurzfristige Ausstattungsänderungen vor.
Es gibt zwar nach wie vor einen "200er" Mercedes, doch unterscheidet sich trotz gleichen Namens das aktuelle Modell deutlich vom '96er.... Der reklamierte Sattel sollte auf jeden Fall dem Händler vorgelegt werden, bei dem das Bike gekauft wurde, da er einer 1-jährigen Garantie unterliegt.

happy trails

Kjersti Bugge
Customer Service
Cannondale Europe
Tlf: 31541573580
Fax:31541514240
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst

Die Antwort von Stefan:

Hallo zusammen,
ich bin total überrascht wie schnell eine Antwort überhaupt gekommen ist.
Vielen Dank für Eure Hilfe.

Allerdings habe ich hierzu auch noch ein paar Anmerkungen zu der Mail von Cannondale:

-Schade das sich erst auf Euren Druck hin bei Cannondale sich was bewegt hat.

-Die Schaltung war richtig eingestellt, das hat mir auch der Mechaniker bestätigt. Das Problem lag in den nach wenigen Tagen durch Schmutzeinwirkung hackeligen Lauf des Schaltungszuges in dem Bowdenzug. Nachdem ich diese durch Gorezüge ausgewechselt hatte, funktionierte die Schaltung einwandfrei, selbst heute noch.

-Bereifungen nutzen ab. Klar das ist so, aber doch nicht innerhalb vo ca.400 km. Beim Transalp haben wir von Anderen gehört, die die gleichen Erfahrungen mit der unserigen Bereifung gemacht haben. Ursache die sehr weiche Gummimischung dieses Billigmantels.

-Die Pedalen und auch der zweite Reifen mußte nach dem Transalp ausgetauscht werden. Den Sattel hat die Firma Schwarz kostenlos ausgetauscht.

-Das Bike wurde bei der Firma Schwarz in Selm gekauft hierzu gab es auf Nachfragen das Cannondale-Video als Bedienungsanleitung. Die Einweisung beschränkte sich auf die Einstellung des Dämpfers. Andere Unterlagen habe ich nicht erhalten.

Eine kleine Anmerkung zu Waldy:
Ich bin vielleicht ein bischen zu viel Triathlet, so ganz ohne Bremsen schaffe ich es nicht die Berge im Gelände herunterzufahren.
Nochmals recht herzlichen Dank für Eure Hilfe

Stefan P.

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