Ein neues Bike muss her! Ich erinnere mich an mein erstes Fully: ein Rotwild RFR01, ein Bike mit einem sehr großen Einsatzbereich, ein Bike mit dem ich sehr zufrieden war. Freeride, CC-Touren, aber auch Rennen der Bundesliga (DH) waren damit möglich.
So bekam dann der Bikedealer meines Vertrauens von mir den Auftrag mir ein Rotwild RFR04 Rahmen zu beschaffen.
Es dauerte sechs Monate bis ich den Rahmen in den Händen halten konnte. Als dann der Rahmen besichtigt wurde, stellte sich heraus, obwohl vorher telefonisch bestätigt, die hintere 12mm Steckachsennabe nicht im Lieferumfang enthalten war. So summierten sich zu dem Kaufpreis von 2420,00 Euro (Rahmen mit 5th Element, Acros-Steuersatz zur Reduzierung von 1,5 auf 1,125 Zoll) noch einmal 265,00 Euro für die Nabe. Als Gabel wählte ich die neue Marzocchi Z1 Freeride mit 150mm Federweg, externer Zugstufeneinstellung, ETA-System, was bedeutet, die Gabel kann durch die Blockierung der Zugstufe um ca. 50 mm abgesenkt werden (bessere Geometrie zum Bergauffahren) und zusätzliche Luftunterstützung zur Ergänzung der Progression. Bei einem Fahrergewicht von bis zu 80 kg wird die Gabel selbst mit einer Luftunterstützung von nur 0,5 bar zu hart! Zusätzlich hat die Gabel noch das bewährte Steckachsen QR 20 Plus-System. Die Standrohre sind, aufgrund höherer Belastbarkeit und einem gutmütigerem Überbelastungsverhalten gegenüber Aluminiumlegierungen, aus schwarz titannitriertem Stahlrohr. Leider liegt das Gewicht der Gabel bei ca. 3300 Gramm. Beim Einbau der Gabel stelle sich dann heraus, daß die obere Abdeckplatte des Acros-Steuersatzes fehlerhaft war, so das sich der gesamte Steuersatz nach dem Festziehen nicht mehr bewegen ließ. Ein Anruf bei Acros, und zwei Tage später hatte ich dann den passenden oberen Deckel. Eine Sache, die mir bei dem Acros-Steuersatz nicht so gut gefällt, ist die Materialwahl des unteren Konusringes, der aus weichem Aluminium hergestellt worden ist, so das dieser einige Kerben durch das Aufschlagen auf dem Gabelschaftrohr bekam, obwohl ich dafür ein weiches Alurohr benutzte. Chris King benutzt hier z.B. einen harten Edelstahlkonusring. Wichtig ist das richtige Kürzen des Schaftrohres der Gabel. Hierzu wird die Gabel mit ungekürztem Schaftrohr mit Steuersatz, Vorbau und auch mit ein, zwei Spacern montiert. Dann mit einem "Filzschreiber" die Länge markieren, Gabel ausbauen und dann richtig fixiert das Schaftrohr gekürzt (z.B. mit einer Säge). Nach dem Kürzen die Schnittstelle mit der Feile entgraten! Die montierten Spacer haben den Sinn, das die Gabel auch noch in einem Rahmen mit längerem Steuerrohr verwendet werden kann. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit über die Spacer die Lenkerhöhe fein nachzujustieren. Nach der Montage der Gabel montiere ich das Innenlager. Hier verwende ich Truvativ Holzfeller Vielzahninnenlager mit Kurbelgarnitur. Die Kurbelgarnitur fahre ich nur mit zwei Kettenblättern (38/22). An statt des großen 42 Kettenblattes montiere ich einen Rockring, der die Kette vor dem Abfallen schützen soll. Hinter das Innenlager wird noch eine untere Führungsrolle von MRP geklemmt. Der Rahmen hat auch schon den internationalen Standard für die Montage von Kettenführungen mit drei Befestigungsschrauben. Dafür ist meine anachronische untere Kettenführung leider noch nicht ausgelegt. Die Innenlagergewinde versehe ich beim Einschrauben mit Kupferpaste (Kfz-Bereich), um Geräusche im "Keim zu ersticken". Wichtig zu Beachten: das Links- und Rechtsgewinde. Zuerst die rechte Seite mit dem Bund anziehen, dann folgt die linke Seite. Auf dem Innenlager liegen im Fahrbetrieb erhebliche Kräfte, deshalb richtig fest anziehen. Die Kurbeln werden dann einfach um 180 Grad versetzt, gefettet auf den Vielzahn aufgesetzt und auch richtig fest angezogen. Die Laufräder bestehen aus Mavic 219 Felgen in Kombination mit DT Hügi FR Naben. Beide Naben werden mit Steckachsen befestigt (20/12mm). Um die Laufräder möglichst leicht zu halten verwende ich DT Revolution Speichen mit Alu-Nippeln. Schwerer werden die Laufräder durch die von mir gefahrenen Bremsscheibendurchmesser  (210/190mm). Als Bremse montiere ich die 2003er Magura Gustav M. Nachdem die Laufräder in Position gebracht sind, werden die Bremssättel zu den Bremsscheiben ausgerichtet. Dieses erfolgt durch Unterlegscheiben mit verschiedenen Dicken, um den Sattel möglichst zentrisch zur Scheiben stehen zu haben. Nach dem Ausrichten klebe ich die verwendeten Unterlegscheiben mit Superkleber zusammen, um sie bei einer Demontage des Sattels leichter handhaben zu können. Die Bremsleitungen werden dann entsprechend verlegt (Rotwild RFR 04: im Rahmenhauptrohr) und gekürzt. Nach dem Kürzen sollten die Bremsen neu entlüftet werden! Das beiliegenden Handbuch von Magura beschreibt diesen Vorgang sehr vorbildlich. Man muß natürlich über das entsprechende Entlüftungskit verfügen. Die Montage der Bremsgriffe gelingt einfach, da die Befestigungsschellen horizontal geteilt werden können. Ich benutze noch 8/3-fach Shifter für den Übersetzungswechsel in der Ausführung Shimano XT. Diese Kombination werden an einer TIOGA Lenker-Vorbau-Kombi angeschraubt. Wichtig beim Verlegen der Schaltzüge, daß diese lang genug gewählt werden, d.h. der Lenker sollte sich über 90 Grad in beide Richtungen drehen lassen, damit keine Beschädigungen im Falle eines Sturzes entstehen. Gleiches gilt natürlich auch für die Bremsleitungen. Der Umwerfer (XT) und das Schaltwerk (XT) werden dann über die "high" und "low" Schrauben in ihrem Aktionsradius begrenzt und über die Einstellschrauben am Schaltwerk bzw. Shiftern für die Zugspannung fein justiert. Die Kette wird montiert und so gekürzt, daß der Schaltwerkkäfig in 45 Gradstellung nach vorn steht, wenn hinten und vorn jeweils die größten Kettenräder benutzt werden. Um das Rahmenfinish zu schützen, besorge ich mir aus dem Baumarkt selbstklebende transparente Folie, die ich passend zurecht schneide und dann auf die gefährdeten Bereichen des Rahmens klebe. Für die Bereifung wähle ich Schwalbe Big Jim für den Touren- bzw. Freeride-Bereich und für den Downhill dann die bewährten Maxxis High Roller. Nun steht einer Probefahrt nichts mehr im Wege! In den dann folgenden Fahrten muss dann die Feinabstimmung erfolgen, d.h. Dämpfer, Gabel, Luftdruck der Bereifung, Einstellungen der Bremsen und Schaltung usw. werden auf das persönliche Handling eingestellt. |