Test „Billig Fixie“ – Muddyfox Fixie – Nix ist nix!

Voll im Trend liegen aktuell sogenannte Fixies. Den Veteranen unter Euch schon lange bekannt, entdecken vermeintliche Hipster und Möchtegerns den Spaß am Singlespeed und Fixed Gear fahren. Bei einem Fixie liegt die Faszination im Verzicht. Reduziert auf das Wesentliche. Das geht exorbitant geil und teuer mit einem Schindelhauer oder superbillig und trashig mit einem Muddyfox. Es stellt sich die Frage nach dem wie viel ist genug? Da wir weder Tod noch Teufel scheuen, haben wir das Billig-Fixie ohne Rücksicht auf unser eigenes Leben getestet.
Der Hype um die hippen Singlespeed bikes steuert seinem Höhepunkt entgegen und wir fiebern mit. Um den Geldbeutel nicht über Gebühr zu strapazieren sollte es ein extrem günstiges Fixie werden. Das Muddyfox Fixie ist im Angebot für circa 125 Euro inkl. Versand zu ergattern. Doch reicht so wenig Geld aus, um einen das Lebensgefühl eines Fahrradkuriers nahe zu bringen?

Die fixen Bikekuriere (schönes Wortspiel) waren schon immer in zwei Lager gespalten. Die einen puristisch, agil und hakenschlagend im dichten Stadtverkehr von New York und die anderen auf Hightech-Maschinen mit 30 oder mehr Gängen unterwegs. In den Mittelpunkt sind jedoch die Bikeheros mit Null-Ausstattung gerückt. Echte Outlaws ohne Bremsen, ohne Licht – reduziert auf das Wesentliche. Meist wurden die agilen Flitzer aus alten Rennradrahmen bekannter Edelschmieden in liebevoller Detailarbeit im kalten Keller oder in der guten Stube zusammengeschraubt. Heute kauft man sie einfach.

Muddyfox – Kostet nix und kann nix

Nach dem obligatorischen Unboxing beschränkt sich die Montage des Bikes auf wenige Handgriffe. Selbst ungeübte Schrauber werden hier nicht vor unüberwindbare Hürden gestellt. Vorderrad einbauen, Pedale mit einer ordentlichen Fettpackung anschrauben. Lenker gerade stellen und schon kann es los gehen.  Zumindest fast. Leider ist die Aufnahme der hinteren Bremse gelinde gesagt – etwas aus dem Maß. Hier hilft nur beherztes aufbohren am Rahmen und wegfeilen an der Bremse. Ohne Radikalkur und entsprechendes einstellen bestand keine Chance das Hinterrad zum freien Lauf zu bewegen. Alternativ wäre eventuell noch ein niedrigerer Reifen gegangen. Das schien uns aber keine Dauerlösung. Die Dual-Pivot-Bremsen sind von der Verarbeitung eher fragwürdig einzustufen. Sie lassen sich gut zentrieren. Allerdings ist die Bowdenzug-Stellschraube und die dazugehörige Kontermutter extrem scharfkantig. Zudem ist die Gewindequalität eher gering. Beim ein- und ausdrehen fühlt es sich an, als würde das ganze irgendwie schief eingedreht sein. Die Bremsleistung ist an der untersten Grenze zum nicht Bremsen. Wer Scheibenbremsen gewohnt ist, bei dem kommen spätestens jetzt die ersten Zweifel auf.

Extrem schlechte Verarbeitung:  Muddyfox Fixie

Schon bei der Montage sind die teilweise abenteuerlich anmutenden Schweißnähte aufmerksam geworden. Von sauberen Schweißraupen kann hier gar keine Rede sein. Teilweise wurde zuviel Material aufgetragen, manchmal mit scheinbar zu hohem Strom geschweißt. Schweißpickel und Schweißschlacke wurden nur grob entfernt. Normalerweise werden Rohre vor dem Schweißen so bearbeitet, dass sie möglichst eng anliegen und geringe Spaltmaße aufweisen. Beim Muddyfox Fixie hat man die Rohre abgelängt und angeschweißt. Keine Spur von Aussparung oder Anpassung. Sozusagen „Stumpf aufeinander gebraten“. Als Lehrling, Verzeihung Auszubildender, hätte es hierfür Schelte mit der groben Kelle gegeben. Bei Moddyfox geht das locker durch die Qualitätsprüfung. Falls es eine gibt! Der Lack kann die schlechte Qualität der Schweißnähte ebenfalls nicht kaschieren. Dafür ist er einfach zu dünn aufgetragen. Es gibt keine haftvermittelnde Grundierung und schon kleine Berührungen mit einem Schraubenschlüssel bei der Montage oder dem Schloß führen zu Kratzern bis auf das blanke Metall.

Billige Anbauteile runden das schlechte Gesamtbild ab.

Alle Anbauteile von A bis Z erwecken den gleichen Eindruck wie der Rahmen des Muddyfox. Billig und schlecht verarbeitet! Billige Aluguss-Teile kombiniert mit gestanzten Stahlteilen wechseln sich ab. Auf einem indischen Organmarkt wäre das Bike sicherlich in der Kategorie Fingernagel gegen Bike zu finden. Eine Niere ist es jedenfalls nicht wert. Das Kettenblatt vorne ist gestanzt. Die Tretkurbel „Prowheel“ ein nicht mehr ganz zeitgemäßes Vierkant Unikum.

Fazit: Von nichts kommt nichts und was nichts kostet, kann nichts. Das sind zwei Paradigmen, die sich in Zeiten des weltweiten Handels mehr den je als wahr erweisen. Mittlerweile kann der geneigte Online-Besteller seine Ware problemlos in der ganzen Welt bestellen. Amerika, Hong-Kong, China oder sogar England. Wenn der Preis regiert, bleibt die Vernunft auf der Strecke. Das Muddyfox ist eher ein müder Fuchs und kann nur durch den Preis als durch Leistung überzeugen. Für eine kurze Fahrt zur Eisdiele ist es ok. Um es nicht abgeschlossen am Bahnhof tagelang stehen zu lassen auch. Aber im Großen und Ganzen würden wir empfehlen, das doppelte für ein gebrauchtes Fixie auszugeben. Zu billig sind die Komponenten und zu schlecht die Verarbeitung, um lange Spaß an dem Drahtesel von Muddyfox zu haben

Technische Beschreibung:
Stahlrahmen
Starrgabel aus Stahl vorne
Fahrer kann zwischen Freilauf und Fixie wechseln.
Prowheel legierte Kettengarnitur – 46T
Felgenbremsen vorne und hinten
700C Deep Section Aero Alloy Räder
Link zum Hersteller:
http://www.muddyfox.com

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