Airpods Pro für Mountainbiker im Test

AirPods Pro im Test für Mountainbiker – ANC: Wenn Stille laut wird!

Es gibt neues von Apple: Apple AirPods Pro. Ein In-Ear-Kopfhörer mit ANC (aktiver noise cancelling Technologie). Wir sind bekennende „Soundtrack of your life“ -Fans dementsprechend nutzen wir seit Sonys Walkman die Möglichkeit, sich permanent mit Musik berieseln zu lassen. Mit den aktuellen AirPods Pro stellt Apple die dritte Generation seiner polarisierenden Headphones vor. Bereits die erste Version hatte uns begeistert. Kein störendes Kabel. Perfekte usability und guter Klang haben die Messlatte beim Debüt der Kopfhörer hoch gehangen. Die AirPods 2 wurden um eine verbesserte Sprachsteuerung ergänzt und klangen subjektiv etwas besser. Mit den AirPods Pro geht Apple hier einen deutlichen Schritt weiter. Echtes In-Ear-Design. Aktive Geräuschunterdrückung und geändertes Bedienkonzept sind echte Veränderungen und nicht nur Evolution alter Produkte. Können die Geräuschkiller beim Biken überzeugen?

Apple AirPods Pro: Die laute Stille

Ruhe! Ruhe ist in unserer hektischen Zeit ein seltenes Gut geworden. Überall klingelt und bimmelt es. Ständig präsent ist Flug-, Verkehrs- und Lebenslärm. Insbesondere bei uns in NRW muss man Stille Ecken mit Absicht suchen. Genau das ist der Grund, warum Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung einen wahren Boom erleben. Audiophile Maximalästheten rümpfen über derlei technische Spielereien die Nase. Wenn noch noch der angeknabberte Apfel auf der Hardware zu finden ist, gibt es kein Halten mehr. Mainstream, schlechter Klang, hoher Preis sind die Argumente, die vorgebracht werden. In den seltensten Fällen besitzen diese ewigen Meckerköpfe ein Produkt aus Cupertino. In Zeiten des Internets und des Onlinekaufs mit Umtauschrecht, spricht nichts dagegen, ein Produkt zu testen, bevor man es kauft. Verrückt oder?

Die Verarbeitung, Verpackung und Verknüpfung der AirPods Pro: Perfekt!

Apple weiß wie Produkte präsentiert werden müssen, um zumindest einen ersten Kaufimpuls auszulösen. Während viele andere Hersteller deutlich abfallen, bleibt bei Apple alles auf hohem Niveau. Schon das Unboxing ist ein Erlebnis. Das satte Auseinandergleiten der Verpackung endet mit einem Blick auf die Anleitung. Die Spannung steigt. Anleitung? Werfen wir wie gewohnt achtlos zur Seite. Endlich erhaschen wir einen Blick auf das eigentliche Produkt. In einer minimalistischen Schutzhülle aus Plastik präsentieren sich die Protagonisten künftiger Musikerlebnisse hochwertig aber unspektakulär. Bei einem Preis von 279 Euro hätten wir zumindest Fanfaren und Tischfeuerwerk erwartet. Unterhalb der Kopfhörer mit Ladeschale finden wir das USB-C zu Lightning-Ladekabel und weitere Silikontips in den Größen S und L. Auf den AirPods Pro sind die mittleren Silikonaufsätze vormontiert. Die Kopfhörer sind vorgeladen und sofort einsatzbereit.

Verbindung und Konfiguration der AirPods Pro: Ein Kinderspiel

Beim Verbinden mit dem Telefon wird deutlich, warum eine geschlossene Architektur Sinn machen kann. Das Ladecase direkt neben dem iPhone aufklappen und die Kopfhörer werden sofort vom iPhone erkannt, „Verbinden“ anklicken. Fertig! Damit stehen die AirPods auf allen Geräten, die unter der gleichen Apple-ID angemeldet sind zur Verfügung. In den Einstellungen lässt sich noch der Name und die Belegung der Bedienfelder konfigurieren. Oft klagen die Nutzer von In-Ear-Kopfhörern über fehlende Bässe. Das können wir nicht nachvollziehen. Den meisten fehlt es an Gefühl, wie ein In-Ear-Kopfhörer sitzen muss. Hier hat Apple dem Nutzer die Anpassung abgenommen. Kopfhörer ins Ohr stecken. Passform-Test starten und die App sagt euch, ob die AirPods gut sitzen. Die AirPods müssen den Gehörgang dicht verschließen, um einen vernünftigen Bass und perfektes Noise Cancelling bieten zu können. Dank der freundlichen App-Unterstützung ist das im Handumdrehen erledigt.

AirPods Pro als Mountainbike-Kopfhörer

Schon die Größe prädestiniert die AirPods für eine Nutzung im Helm. Bei normalen Helmen mit Ohren umschließender Gurtwaage sind die verkürzten „Stengel“ der AirPods Pro ein echter Gewinn. Bei den alten AirPods konnte es passieren, dass die Helmgurte den Kopfhörer aus dem Ohr hebelten. Durch den festeren Sitz der Aipod Pros und den kürzeren Design tritt dieser Effekt so gut wie gar nicht mehr auf.

Im Gegensatz zu den alten Kopfhörern von Apple sind die neuen AirPods jetzt zumindest wassergeschützt nach dem IPX4-Standard. Allerdings schränkt Apple hier die Haltbarkeit des Schutzes ein. Nicht so schön. Wobei die Aussage zu relativieren ist. Bei unseren alten AirPods in Dauernutzung, beim Regen, exzessivem Training mit massiver Schweißbildung, gab es in zweieinhalb Jahren überhaupt keine Probleme. Ob die Kopfhörer beim Dirt- und Fullfacehelm sitzen, kommt stark auf die Polsterung und das Geschick des Bikers an. Es ist eine Kunst den Fullfacehelm aufzusetzen ohne die Kopfhörer aus den Ohren zu ziehen. Mit ein wenig Übung ist das kein Hindernis. 

Musikgenuss beim biken – Highway to hell

Die Meinungen zum Musik hören gehen hier stark auseinander. Während der eine zur Höchstform aufläuft, finden andere es nervig, nichts von der Umwelt wahrzunehmen. Sicherlich muss man nicht immer und überall beschallt werden. Es ist erwiesen, dass der richtige Beat leistungssteigernd sein kann. Apple Watch und AirPods sind aus unserer Sicht ideale Trainingsbegleiter. Tracking und Entertainment mit minimalistischem Aufwand. In-Ear-Kopfhörer muss man mögen. Die AirPods Pro sorgen für einen Druckausgleich, trotz dieser Maßnahme bleibt das Gefühl des „verstopften“ Gehörgangs. Wer damit nicht klar kommt, für den sind die AirPods Pro nicht geeignet.

Aktive Geräuschunterdrückung und Tragekomfort

Die aktive Geräuschunterdrückung verstärkt diesen Eindruck noch. Die Geräuschunterdrückung verfügt über zwei Einstellungen: Geräuschunterdrückung und Transparent. Passive In-Ear-Kopfhörer dämpfen den Schallpegel um circa 20-30 db. Das verhindert eine normale Unterhaltung. Auch im Straßenverkehr ist die Nutzung eher fragwürdig. Zwar ist mittlerweile das Tragen von Kopfhörern nicht mehr verboten, es muss jedoch gewährleistet sein, dass der Verkehr wahrgenommen wird. Das kann ein passiver In-Ear nicht leisten. Während bei aktiver Geräuschunterdrückung alle Außengeräusche auf ein Flüstern reduziert werden (so stellen wir uns eine Elektroautozukunft vor), mischt der Transparenzmodus Musik und Außengeräusche. Dabei analysiert der Kopfhörer permanent die Umgebung und passt entsprechend das Noise Cancelling an. Selbst bei geringer Lautstärke klingen die Kopfhörer überragend. Wenn die Musik laut gestellt ist, wird die Umgebung natürlich nicht mehr wahrgenommen. Hier hilft der Transparenzmodus wenig. Laut ist laut!

Das Bedienkonzept der AirPod Pros kann nicht überzeugen

Bei der ersten und zweiten Generation der AirPods erfolgte die Bedienung über mehrfaches Tappen. Einfach zweimal auf das Ohr hauen und schon ging es zum nächsten Track oder die Wiedergabe pausierte. Je nach Konfiguration. Wahrscheinlich war Apple der Meinung, dass hier eine Quelle für ungewollte Bedienung zu finden sei. In der Tat ist uns genau das bei einen oder zwei extremen HIT-Trainings passiert. Die nassgeschwitzten Haare haben die AirPods bedient. Das fanden wir wenig dramatisch. Apple hat den Tap durch einen Druck ersetzt. Die AirPods verfügen nun über eine drucksensitive Fläche, die es gilt, liebevoll ein oder mehrfach (bis dreimal) durch drücken mit zwei Fingern zu aktivieren.

Geringe Größe und gute Bedienbarkeit schließen sich aus

Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Die Bedienflächen sind so klein, dass sie zwischen dem Helmgurt – mit Handschuhen – im Gelände überhaupt nicht zu bedienen sind. Hier bleibt nur der Befehl „Hey Siri: Volle Lautstärke“. Der Standard für die Bedienung per Fingerdruck ist jetzt: vor, zurück, stop, play und die Einstellung der Geräuschunterdrückung (Geräuschunterdrückung, Aus, Transparent).

Tadellose Geräuschunterdrückung und Transparentmodus mit Schwächen

Die Geräuschunterdrückung gehört zum Besten was wir bis jetzt gehört haben. Da sehen wir die neuen AirPods in den Top5. Der Transparenzmodus ist im Büro und normalen Alltag spitze. Wenn die Anwendung mehr „Pro“ wird, offenbaren sich Schwächen. In unseren Breitengraden kommt es vor, dass man eine Mütze oder einen Buff trägt. So lange die AirPods nicht vom Stoff verdeckt werden ist alles in Ordnung. In dem Moment, wo die Mütze den Kopfhörer berührt, überträgt das Außenmikrofon das Geräusch ins Ohr. Gleiches gilt für das Helmfutter oder nicht sauber eingestellte Gurte, die das Kopfhörergehäuse touchieren. Einziger Kritikpunkt beim ANR: Windgeräusche. So gut die Geräuschunterdrückung der AirPod Pro ist, bei starkem Wind kommt sie an Ihre Grenzen. Hier ist der eine oder andere „Wusch“ zu hören.

Perfekte Passform und Halt im Ohr

Wessen Ohr in das statistische Muster Apples passt und auf In-Ear-Kopfhörer steht, dem wird ein echtes „Boah, wie geil“-Erlebnis beschert. Wenn der passende Silikon-Tip gefunden ist und das iPhone optimale Dichtigkeit signalisiert, fühlt man sich ins Sprachlabor zur Schulzeit zurückversetzt. Schalltot schafft der kleine Stöpsel zwar nicht, aber er ist nah dran. Durch die kleine Bauform, das geringe Gewicht und das fehlende Kabel vergisst man nach ein paar Minuten, dass man einen Kopfhörer trägt. Die neuen Pro-Kopfhörer sitzen wie eingeklebt im Ohr. Selbst wildeste Burpee-, Headbanging- oder Bunny-Hop-Sessions hat er mit zementierter Beharrlichkeit überstanden. Die kabelgebundenen Kollegen haben früher oder später immer genervt. Entweder haben die Kabel Geräusche übertragen, die Kopfhörer aus dem Ohr gezogen oder sie sind schlichtweg an einem Kabelbruch verstorben. Der Tragekomfort ist bei den AirPod Pro Kopfhörern unschlagbar. Im Prinzip fühlt sich ein Ohrring nicht anders an. 

Klangliche Referenzklasse ohne wenn und aber

Wer 300 Euro für einen Kopfhörer ausgibt, erwartet einfach einen Klang der Spitzenklasse. Nicht mehr und nicht weniger liefert Apple. Die neuen In-Ears überzeugen mit satten, abgrundtiefen Bässen, kristallklaren Höhen und einer ausgewogenen Mitteltonpräsenz. Der geneigte Mittfünfziger, der über ein seines Alters entsprechendes Gehörvermögen verfügt, kann hier sowieso nicht mitreden. Er hört schlicht und einfach nicht mehr genug. Hifi-Freaks sehen MP3 als Manifestation des Teufels an und hören lieber weiterhin knisternde Schallplatten. Ebenso wie ein Porsche 911 der mehr kann, als 99 % Prozent seiner Besitzer, überzeugt der Kopfhörer auf ganzer Linie. Jede Art von Musikmaterial wird neutral wiedergegeben. 

Fazit: Der Kopfhörer kann überzeugt durch seine Größe und seinen Klang auf ganzer Linie. Die für Biker oder Läufer etwas wackelige Bedienung mindern den überragenden Gesamteindruck.  Unter dem Helm, unter einer Mütze und mit Handschuhen beim Biken oder beim Laufen finden wir die Bedienung nicht optimal. Alternativ lässt sich das Headset via Siri bedienen. Dafür ist eine Mobilfunkverbindung zwingende Voraussetzung. Beim Spinnig oder beim Bodyweight-Workout überzeugen die Pros in jeder Disziplin. Die AirPods halten 2,5-3 Stunden am Stück durch. Selbst bei erhöhter Lautstärke. Dann müssen sie ins Case zum Energie nachtanken. Die Geräuschunterdrückung funktioniert zuverlässig. Der Transparenzmodus hat uns nicht so gut gefallen. Mit einem Preis von 279 Euro ist der Kopfhörer von Apple kein Schnapper.  Das wird echte Fanboys nicht abschrecken. 

Testtracks:

Meine alten Lieblingsreferenzstücke haben die AirPods Pro perfekt ohne Makel wiedergeben:

Grace Jones, Slave to the Rhythm: Der abgrundtiefe Bass am Anfang des Tracks mit dem folgendem klirrendem Ping und der stimmlichen Präsenz geben einem das Gefühl neben der Diva zu stehen. 

https://music.apple.com/de/album/ladies-and-gentleman-miss-grace-jones/1443644300?i=1443644457

Das von Karajan dirigierte Stück „Also Sprach Zarathustra“ ist bekannt für das beängstigende Tiefe C der Orgel und die wummernden Trommelschläge. Die blecherne Erhabenheit der Bläser wird ebenso fühlbar, wie die durchdringende Dramatik der Streicher.  Perfekt! Hier vermisse ich keine großen Lautsprecher. 

https://music.apple.com/de/album/also-sprach-zarathustra-op-30-i-prelude-sonnenaufgang/1452343256?i=1452343466

Yello The Race ist ein Synthiepop Stück mit hämmernden Bässen und unfassbaren Stereoeffekten

https://music.apple.com/de/album/the-race/1442683561?i=1442684509

Und mein Lieblingsstück: Dire Straits – Private Investigations. Boah. Während die langgezogenen Bässe den ganzen Kopf zum Vibrieren bringen, fetzen die kristallklaren Gitarrenriffs und Schlagzeug-Becken das Gehirn auseinander. 

https://music.apple.com/de/album/private-investigations-edit/1440653923?i=1440654223

Sonstige Tracks:

https://music.apple.com/de/album/twist-in-my-sobriety/299554866?i=299554883

https://music.apple.com/de/album/diamonds-on-the-soles-of-her-shoes/581741456?i=581741461

Michael Kozlowski

Was war, was ist, was wird. Jetzt sitze ich hier und überlege, was ich ?Über mich? schreiben könnte. Leider, oder Gott sei Dank blieben mir geistige Ergüsse, wie Einsteins E=mc2 oder die Findung der Frage auf welche die Antwort ?42? ist, erspart. Auch ist es mir nicht gelungen, den Weltfrieden herbei zu führen. Doch im Rahmen der Möglichkeiten, die sich einem 1968-Geborenen, von einer alleinerziehenden Mutter indoktrinierten Bengel aus Moers bieten, bin ich im Rückblick auf mein bisheriges Leben recht zufrieden. Die angeborene Bauernschläue nutzend, ist es mir gelungen, die zehn Pflichtschuljahre ohne Verzögerungen oder besondere Auffälligkeiten zu absolvieren. Sehr gut oder schlecht ist mir der ein oder andere Lehrkörper in Erinnerung geblieben. So bin ich bis heute von meiner damaligen Klassenlehrerin, Frau Kluge, beeindruckt. Voller Idealismus versuchte Sie mir die Hauptfächer nahezubringen. Bis auf Mathe ist ihr das auch recht gut gelungen.

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