Astrum et Abyssum - Ritual - Ethno-Schlager-Metal-Rock und mehr

Astrum et Abyssum – Ritual – Ethno-Schlager-Metal-Rock und mehr – CD-Vorstellung

Quo Vadis? Diese Frage muss man sich zwangsläufig stellen, wenn man die CD der Band mit dem lateinisch klingenden Namen „Astrum et Abyssum“ einlegt. Ungewöhnliches dringt aus den Lautsprechern. Die Stimme? Der Sound? Die Texte? Die Sprache? Die gesamte CD ist ein Konglomerat unterschiedlichster Töne und Geräusche, die in dieser Form auf einer Hardrock-Scheibe nicht vermutet werden. Volksweisen Afrikanische Stammesgesänge, Didgeridoo, Nachrichtensprecher, indianisch klingende Volksweisen garniert mit deutschen Texten. Dabei knallendes Schlagzeug mit fetzigen Gitarren-Riffs und dröhnenden Bassläufen. Das bringt es auf den Punkt. Wertfrei zunächst.

Das Organ der Frontfrau Beate Scherer erzeugt beim Hörer ein Dauer-Déjà-vu. Ruhmreiche und glorreiche Erinnerungen an bessere Zeiten tauchen, wie verschüttete Bergleute nach der Rettung, auf. Unter anderem auch die Erinnerung an eine Band Namens „Warlock“. Doro Pesch war Mitte der 80er Jahre die Vorzeige-Rocklady. Beate klingt wie die Inkarnation dieser Metalfurie von damals. Um es direkt zu sagen: Nein, es ist keine Coverversion. Aber die Stimme klingt so ähnlich, dass dieser Vergleich hier einfach stehen muss. Die Vocals sind durch die Bank deutsch. Am Anfang ist das ein wenig befremdlich. Doch wenn man sich eingehört hat, gefallen die Lyrics umso besser. Warum sind sonst eigentlich immer nur Schlager deutsch? Komisch. Mannheim rockt, deutsch auch. Das macht die Band deutlich. Beim Song „Seelenfänger“ spielt Bernd Kolbig das Didgeridoo, während der Rest der Band in Duell- Manier versucht (a la „Crossroads“) mit zu halten.

Parallelen zu Jeanny

Am Ende finden alle zueinander und lassen in friedlicher Eintracht das Stück ausklingen (wer den Film „Crossroads“ nicht kennt: Er endet mit einem legendären Gitarrenduell zwischen Ralph Macchio (Arlen Roth hat die Klampfe in echt malträtiert) und Steve Vai). Indianer Beim Track „Völkerzauber“ stimmen die indianischen Stammesältesten sich auf die nächste Party ein.Beim „Glockenschrei“ kann man durch den Sprecher Carsten Schulz eine kleine parallele zum legendären Falco Song „Jeanny“ ausmachen. Die Wiedererkennung beschränkt sich allerdings auf den Einsatz eines Sprechers. Der Longplayer (darf man das heute noch sagen?) ist durch die Bank abwechslungsreich. Der Einsatz von Piano, Didgeridoo und Chören, die afrikanischen und indianischen Ursprungs sein könnten, ergeben ein nicht langweilig werdendes musikalisches Wechselspiel.

Immer für eine Überraschung gut

Hinter jedem einzelnen Song lauert eine Überraschung. Mehr als mutig ist es von „Astrum et Abyssum“, alle Songs in deutsch zum Besten zu geben. Im Hardrock- Genre eher selten. Die Texte setzen sich mit aktuellen Themen auseinander und sind durchaus als kritisch zu verstehen. Fazit: Schon wegen der Stimme lohnt sich die Anschaffung. Technisch ist die Scheibe perfekt umgesetzt. Immer für eine Überraschung gut, neuartig und erfrischend ist der Rest. Die Kombination mit rockuntypischen Klängen sind einerseits erfrischend, andererseits hinterlassen sie ein wenig den Eindruck, dass die Band sich noch nicht selbst gefunden hat. Auf der vorliegenden CD ist die Mischung jedoch hervorragend gelungen und stellen eine echte Bereicherung dar. Die Stimme von Beate Scherer harmoniert gut mit der Band und fungiert als kernige Erdung für die Gitarrenriffs und Bassläufe. Für ein solides Grundgerüst sorgen die Drums, gepaart mit den Percussions. Insgesamt eine runde Sache fürs Ohr, die auch nach mehrmaligen Anhören ihren Reiz nicht verliert.

Ritual
01. Drachenherz
02. Dornennaht
03. Adler
04. Vergessenes Land
05. Nacht ohne Zeugen
06. Hochzeitstanz
07. Glockenschrei
08. Jagdblut
09. Helden
10. Seelenfänger
11. Völkerzauber
12. Abyssus
Label: http://www.stf-records.de/

Besetzung: Bass – Ralf Henkelmann, Gesang – Beate Scherer, Gitarre – Gunther Schroth, Keys – Peter Böhler, Schlagzeug – Jürgen Stephan, Sonstige – Bernd „Das Didge“ (Didgeridoo), Markus Cappel – (Percussion)

Schreibe einen Kommentar