Buchvorstellung

Buchvorstellung: Held am Sonntag – Couch, Bike, Ruhm und Ehre

Übergewicht, schwelgen in Erinnerungen, Geschichten von Heldentaten vergangener Tage, Bier und Knabbereien. Jeder zwischen 30-40 kennt solche Abende. Egal ob Rennradfahrer, Mountainbiker, Läufer oder Fußballspieler. Völlig schnurzpiepegal welche Sportart einst zum Alltag gehörte. Jeder glaubt, darin besonders gut gewesen zu sein. Jeder hatte fast einen Profi-Vertrag in der Tasche. Jeder einen Sponsor für die nächsten Weltmeisterschaften. Jeder hat sich natürlich erstmal für einen anständigen Beruf entschieden und so ist leider keiner Profi geworden. Aber immerhin beinahe! Ähnlich geht es dem Protagonisten aus dem Buch: Held am Sonntag von Henri Lesewitz (wir fragen uns, ob der Name echt ist oder ein Pseudonym). Aus einer Bierlaune heraus beschließt er mit seinem Kumpel den Crystalp-Marathon mit zu fahren. Prompt folgt am nächsten verkaterten Tag die SMS, dass die Anmeldung unter Dach und Fach sei.

Trainingslager auf Mallorca

Erschüttert und in Panik bleibt dem Helden des Buches nichts anderes übrig, als mit dem Training anzufangen. Nach unüberlegter Fitnessbuden-Anmeldung mit Knebelvertrag und Kauf eines Billig-Spinning-Bikes geht es sofort fast völlig unvorbereitet ins Trainingslager auf Mallorca. Nach der Heimkehr einigermaßen
desillusioniert und aufgerüttelt geht es schlauerweise zum Fitness-TÜV. Von dort wird der Leser gleich zum Einkaufserlebnis beim Discounter und anschließender Enttäuschung weiter gehetzt. Sehr zum Leidwesen des schon stark strapazierten Kontos muss auch noch ein neues Bike her. Mit frischen Fremd-Banknoten ausgestattet, geht es zum Bikeladen. Bike und Schuhe, ebenso wie Geld wechseln ihren Besitzer. Das neue Schmuckstück findet Platz im Wohnzimmer. Dies findet Himbeerchen, die Lebensabschnittsgefährtin des angehenden Marathon-Aspiranten, aber genausowenig amüsant, wie die Schuhe, die in Passform im heimischen Herd gebacken werden müssen. Während sich Form und Ausrüstung einem neuen Höhepunkt nähern, geraten die Beziehungen der beiden Kampfhähne an einem Tiefpunkt. Wer mehr wissen will, der sollte das Buch lesen; wir wollen ja nicht alles verraten. Soviel sei gesagt: Als die Beiden zum ultimativen Test in Form eines Testmarathons aufbrechen, kommt es in einer der beiden Liebesbeziehungen zum Bruch. Wer wen verliert …. bleibt hier offen!

Höhentraining in einer Art Taucherkammer

Um verlorene Trainingskilometer zu kompensieren, wird auch zu unlauteren Methoden, wie zum Beispiel das Höhentraining in einer Art Taucherkammer, gegriffen. Natürlich kommt man nicht aus der Kammer und hat plötzlich hunderte von Trainingskilometer in den
Beinen. Das sieht auch unser Held ein und schreitet von nun an gestählt gegen jedes Werbeversprechen durch die bunte Welt der „Leistungssteigerungsversprechungen“. Als wäre das alles nicht genug, fragt auch noch ein Kumpel an, ob nicht der Bike-Transalp
eine tolle Sache wäre? Wie jeder infizierte Biker, so kann auch der Buchheld nicht nein sagen und muss mitfahren… Ebenfalls unnötig zu erwähnen, dass die Tour wohl eher eine „Tortour“ wird. Um ein echter Held zu sein, bedarf es der Anerkennung Fremder. Leider bleibt diese aus und stattdessen wird eine „Ich bin so toll Gedächtnistour“ verabredet. Wie schon vorab, unnötig zu sagen, dass die Sauftour einen unerwarteten Ausgang nimmt.

Held am Sonntag

Aus einer weiteren Bierlaune heraus beschließen die Beiden mit ihren Oldtimern zu fahren. Oldschool quasi. Jahrzehnte alte Bikes. Canti-Lever-Bremsen und Alu-Schrauben, die niemals dazu gedacht waren, einer Belastung stand zu halten. So kommt also der große Tag und die Beiden kämpfen sich Meter für Meter durch den Cristalp. Die eine oder andere Kurve bleibt ungenommen (Dank der nicht funktionierenden Bremsen) und wohl dem der geschickte Schrauberhände hat. Die Beiden erreichen auch das Ziel, doch anders als erwartet. Wer allerdings einen solchen Marathon übersteht, der kann nicht lange gammeln. Von Langeweile gebeutelt keimt die nächste Schwachsinnsidee im leicht unterzuckerten Gehirn. 650 Kilometer in 80 Stunden. Einmal Nonstop durch das Hohe Atlas-Gebirge in Marokko ohne Shuttle, ohne Hotel. Einfach die pure Männlichkeit genießen… Unnötig…

Fazit: Am Anfang scheint sich das Buch nahtlos in die Reihe der Bücher „Früher war alles besser“ einzureihen, doch spätestens bei der Tourenbeschreibung der Transalp wird das Machwerk von Lesewitz zum echten Page-Turner. Erst amüsant und dann immer spannender und nah am Leben. Man muss einfach wissen, wie es weitergeht. Nachdem der Cristalp ein unerwartetes Ende genommen hat, ist das nächste Projekt ungleich härter, spannender und puristischer. Alles in allem ein Buch für sonnige Stunden am Pool oder für verregnete Wochenenden auf der Couch. Beim lesen der Tourenbeschreibungen hat man das Gefühl, selber im Sattel zu sitzen und jeden Stein selbst zu erfahren. Kaufen, lesen, nochmal lesen ist unsere Empfehlung.

Buchvorstellung224 Seiten, 13 S/W-Fotos,
Format 14,5 x 21 cm, engl. Broschur
ISBN: 978-3-7688-5264-7
Preis: EUR: 12.00
http://www.delius-klasing.de

Michael Kozlowski

Was war, was ist, was wird. Jetzt sitze ich hier und überlege, was ich ?Über mich? schreiben könnte. Leider, oder Gott sei Dank blieben mir geistige Ergüsse, wie Einsteins E=mc2 oder die Findung der Frage auf welche die Antwort ?42? ist, erspart. Auch ist es mir nicht gelungen, den Weltfrieden herbei zu führen. Doch im Rahmen der Möglichkeiten, die sich einem 1968-Geborenen, von einer alleinerziehenden Mutter indoktrinierten Bengel aus Moers bieten, bin ich im Rückblick auf mein bisheriges Leben recht zufrieden. Die angeborene Bauernschläue nutzend, ist es mir gelungen, die zehn Pflichtschuljahre ohne Verzögerungen oder besondere Auffälligkeiten zu absolvieren. Sehr gut oder schlecht ist mir der ein oder andere Lehrkörper in Erinnerung geblieben. So bin ich bis heute von meiner damaligen Klassenlehrerin, Frau Kluge, beeindruckt. Voller Idealismus versuchte Sie mir die Hauptfächer nahezubringen. Bis auf Mathe ist ihr das auch recht gut gelungen.

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