Shimano Hollowtech Octalink Tretlager wechseln

Octopus ohne Aquarium – Shimano XT Tretlager mit Hollowtech und Octalink I

Erinnert sich noch irgendwer an die Zeiten, als eine Tretkurbel mit Keilen gesichert wurde? Ein kleiner Metallkeil sollte die am stärksten durch Muskelkraft belasteten Teile positionieren. Dies gelang mal mehr mal weniger (meist weniger). Ein windiger Erfinder
kam auf die Idee, die runde Welle, welche an einer Seite abgeflacht war, um dem Einschlagkeil das Einklemmen des Tretarmes zu ermöglichen, durch eine Vierkantwelle zu ersetzen. Bei diesen Tretlagern (meist BSA = British Small Arms) werden die Tretkurbeln auf einen zum Tretlagergehäuse dicker werdenden (konischen) Vierkant aufgepresst. Das Aufpressen erledigen die in den Tretkurbelarmen liegenden Schrauben. Ein Nachteil dieser Konstruktion liegt in der Kräfteverteilung, es entstehen starke Kräfte an den Kanten des Vierkants.  Dadurch entstehen oft Risse in den Ecken der Vierkantlöcher der Kurbelarme. Die Weiterentwicklung dieser Technik hat Shimano mit den Hollowtech Octalink  perfektioniert. Mit dem Octalink, das seinen Namen der geometrischen Aufteilung verdankt, verteilt Shimano die Kräfte auf eine Welle, die einen Vielzahn anstelle des Vierkantes besitzt. Die „vielen“ Zähne bewirken ein gleichmäßiges Verteilen der Tretkräfte und minimieren so die Gefahr einer vorzeitigen Materialermüdung. Da das Shimano Hollowtech Octalink bereits in die zweite Runde geht, kann man die „alten“ Versionen relativ günstig erwerben. Ein Wechsel der Kettenblätter ist fast genauso kostspielig, wie eine neue Kurbelgarnitur. Für circa 90 Euronen kann das einst so edle Teil bei einschlägigen Händlern käuflich erworben werden. Nachdem uns ein Newsletter von Bicycles ins Haus flatterte, machten wir uns sogleich auf den Weg nach Essen. Mitten in der Essener City liegt ein phatter Bicycles-Supershop und gleich nebenan nochmal ein wenig nach Trekking-Klamotten schauen! Das war der Plan! In Essen: Komisch, wo ist das „Bi“ vor „Cycles“ geblieben? Wohl abgefallen, oder? Rein in den Laden und nach der Tretkurbel gefragt. Nach kurzem Suchen konnten wir das begehrte Stück in den Händen halten. Ab zur Kasse, bezahlen und ab nach Hause! Einbauen! Soweit der Plan… An der Kasse traf uns fast der Schlag. 119 Euro??? 25 Euro teurer als im Prospekt??? Wie, nicht mehr Bicycles??? Nur noch Cycles!!! Aha!
Auf unsere höfliche Nachfrage, ob am Preis noch etwas zu machen sei, wurde die Bedienung recht mürrisch und ungehalten. Der Geschäftsführer wurde, als wir nach ihm verlangten, verleugnet (oder war er etwa wirklich nicht da … Wer es glaubt!!!). Auch nach Legitimierung als Pressevertreter, wurden wir nicht wirklich ernst genommen (Presse? Ja, ja das sagt jeder). 25 Euro verschenken wollten wir auch nicht – Tretlager wieder auf die Theke gelegt, höflichst bedankt und auf Wiedersehen… Da die Verkaufsmannschaft wohl die gleiche wie die von Bicycles ist, kann man den Entschluss von Bicycles, den Standort aufzugeben, verstehen. Kundenorientierung? Totale Fehlanzeige! Wir raten vom Kauf und Besuch ab. Zuhause dann via Internet (Gott sei gedankt für die moderne Internet-Technologie) in den Onlineshop von www.bicycles.de geklickt und die Bestellung abgeschickt. Drei Tage später schellte der Postbote zwei Mal. Bezahlung erfolgt via Rechnung oder per Bankeinzug abzüglich 3 % Skonto (alternativ auch Kreditkarte und Nachnahme). Endlich war die Kurbel unser!!! Und so bequem! Dem Paket ist eine detailierte Rechnung und für Probleme und Reklamationen ein komplett fertig ausgefüllter Retourschein beigefügt (Natürlich portofreie Rücksendung). Das Porto für die Bestellung beläuft sich, egal was bestellt wird, auf 3,50 Euro. Wir sind rundum zufrieden gewesen mit dem Ablauf der Bestellung. So sollte Onlinekauf immer sein. Völlig stressfrei! Einziger Nachteil des Onlineshops: Keine Beratung. Man sollte genau wissen, welche Teile benötigt werden. Insbesondere dem Innenlager muss besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Längen und Durchmessern. Wer auf „Nummer Sicher“ gehen möchte fragt beim Hersteller seines Bikes nach.

Tretlagerwechsel leicht gemacht!

Ein Tretlager umbauen ist leichter als die Meisten glauben. Wohlgemerkt, mit dem richtigen Werkzeug. Es empfiehlt sich gleich einen kompletten Bike-Werkzeugkoffer für ca. 50 Euro zu erwerben. Mit diesem lassen sich 99 % aller anfallenden Reparaturen am Bike selbst erledigen. Der Kauf einzelner Werkzeuge ist deutlich teurer. So kostet schon ein Kurbelabzieher um 5 Euro, ein Adapter zum Demontieren von Vielzahnkurbeln 3 Euro und so weiter. Sündteure Profiwerkzeuge machen für „Gelegenheitsschrauber“ keinen Sinn; Sie sind einfach zu teuer. Das günstige Werkzeug erfüllt seinen Zweck ausreichend gut. Bewußt haben wir auf Spielerei wie einen Montageständer, den kaum jemand zu Hause hat, verzichtet.
1. Schritt Pedalen entfernen:
Die Pedalen lassen sich mit einem einfachen 15er
Maulschlüssel entfernen. Beim Entfernen ist lediglich zu
beachten dass es sich um ein Linksgewinde handelt.

2. Schritt Kurbeln abziehen:
Der Kurbelabzieher wird handfest in das Gewinde der
Tretkurbeln geschraubt. Wiederum mit einem Maulschlüssel
(Schlüsselweite ist je nach Hersteller unterschiedlich) wird der
Abziehstift eingeschraubt, bis sich die Tretkurbel vom Vierkant
löst. Dieser Vorgang wird auf der anderen Seite wiederholt.

3. Schritt Innenlager ausbauen:
Die Lagerschalen sind in das Tretlagergehäuse eingeschraubt
(Eigentlich sind es keine Lagerschalen, aber wer weiß schon,
wie die Dinger wirklich heißen?) und werden unter
Zuhilfenahme des Tretlagervielzahnschlüssels gelöst. Die
Prutscherlösung wäre ein vorsichtiges losschlagen mit dem
Kreuzmeissel. Auch hier bitte wieder auf die Gewinderichtung
achten.

4. Schritt Reinigen und einfetten der Innengewinde:
Bevor das neue Tretlager eingesetzt wird, sollten die Gewinde
penibel gereinigt werden. Die in das Aluminium des Rahmens
geschnittenen Feingewinde sind äußerst empfindlich und
sollten sorgsam behandelt werden.

5. Schritt Einbau des neuen Innenlagers:
Vor dem Einbau sollten sämtliche Kontaktflächen der Gewinde
am Bike eingefettet werden. Ohne das Fett verbinden sich die
unterschiedlichen Materialien des Tretlagergehäuses und der
Schalen unlösbar miteinander. Stichwort: Kaltschweißen!
Durch Oxidation verbinden sich unterschiedliche Metalle
miteinander und lassen sich nur schwer bis überhaupt nicht
mehr voneinander lösen. Linke Tretlagerseite einschrauben
und mit dem Vielzahnschlüssel anziehen (Gewinderichtung
beachten!)
Rechte Tretlagerseite einschrauben und ebenfalls mit dem
Vielzahnschlüssel anziehen (Gewinderichtung beachten!)

6. Schritt Linken und rechten Kurbelarm montieren:
Einfach auf den Vielzahn des Tretlagers aufstecken. Dabei auf
die Zahnung achten. Mit der Zentralschraube wird der
Kurbelarm auf das Innenlager gezogen und fixiert. Den
rechten Kurbelarm in gleicherweise um 180 Grad versetzt
montieren.

7. Schritt Pedalen montieren:
Die Pedalen werden wieder mit dem 15er Maulschlüssel
angezogen. Hier sollte reichlich Fett verwendet werden, sonst
sind die Pedalen irgendwann „Endfest“ und lassen sich nicht
mehr von der Kurbel lösen. Gewinderichtung beachten.

Fertig!!!
Sollte der Umwerfer nach dem Wechsel der Kurbeln nicht mehr einwandfrei funktionieren, so muss dieser nachjustiert werden. Die Schrauben der Tretkurbeln und des Lagers sollten nach 50-100 Kilometern auf festen Sitz kontrolliert werden (Achtung! Nach Fest kommt Ab! Und dann teuer). Treten Knackgeräusche beim Pedalieren auf, so sollten die Kurbelschrauben nachgezogen werden. Gegebenenfalls mit einem Gummihammer die
Tretkurbeln auf das Lager aufschlagen und die Schrauben nachziehen. Doch nicht zu fest hämmern, ansonsten kann das Innenlager Schaden nehmen.