Herzfrequenzmesser - Polar S710I im Test

Polar S710I im Test – „S“-Klasse für alle – Herzfrequenzmonitor mit Deluxe-Ausstattung

Mercedes steht mit seinem Namen, wie kein anderer Hersteller, für Luxus pur. Kein Gimmick ist zu Schade, um seinen Weg in die Nobelkarossen zu finden. Ob beheizte Spiegel, automatischer Gurtanreicher oder Einparkhilfe für Leute, die unfähig sind, ein solches Auto zu bewegen. Zwischen Sinn und Unsinn entscheidet nur der Geldbeutel. Ähnlich ist es bei den Herzfrequenzuhren. Angefangen bei € 9,95 vom Discounter Ihres Vertrauens bis jenseits der 800 Euro-Grenze für die Deluxe-Ausführung mit allem Schnickschnack reicht die Preisspanne. Das billig oft teuer wird, bewahrheitet sich auch hier. „Nur um seinen Herzschlag zu überprüfen, da reicht doch einer für 19,95“ wird manch einer denken. Nach 2 Wochen wanderte das Discounterstück in die Schublade. Zwar wurde ab und zu die Herzfrequenz angezeigt, doch sobald sich eine andere Pulsuhr in der Nähe tummelte, gab es nur noch Pulssalat auf der Anzeige. Wenn der Gurt nicht 200% befeuchtet war oder auch nur geringfügig verrutschte, stellte die Uhr ihren Dienst ein. Ein zweiter Versuch mit einem Ciclosport verlief zwar etwas besser, aber immer noch unbefriedigend. Der dritte Anlauf mit einem Polar M52 begeisterte von Anfang an.

Polar S710i – Begeisterung pur

Der codierte Datenaustausch, der bei Polaruhren mittlerweile üblich ist, verhindert störende Einflüsse anderer Pulsmesser. Ein ausführliches Handbuch mit Grundlagen zum herzfrequenzgesteuertem Training, einen großen Funktionsumfang und und und. Als nach 4 Jahren täglichem Gebrauchs die Uhrenbatterie ihre Funktion einstellte, war klar, dass wieder ein Polar ins Haus kommt (Selbstverständlich hätte die Batterie gewechselt werden können, doch wer will das schon?). Einer, der alles kann: Daten kabellos zum PC überspielen, Fahrradfunktionen wie Tacho, Kilometerzähler und Trittfrequenz, frei einstellbare Grenzfrequenzen und was der Prospekt sonst noch zu bieten hatte musste her. Features kann man ja nie genug haben. Besser man nutzt ein oder zwei nicht, anstatt das eines fehlt und einem der Spaß am neuen Spielzeug schnell vergeht. Die Entscheidung fiel leicht: ein Polar aus der „S“-Serie sollte es sein. Der Kauf war dann schon bedeutend schwerer, der Preis hat ein Loch von der Größe Bayerns in die Geldbörse gerissen. 300 Euronen oder für die ewigen Umrechner: 600 DM. Eine stolze Summe für ein Stück Plastik (Polycarbonat und Glasfieber) am Handgelenk. Doch was solls! Alle zwei Monate ein Paar Laufschuhe für 120 Euro, plus Nahrungsergänzung, Startgelder, Fachzeitschriften, alle 3 Monate neue Reifen fürs Bike (Stückpreis um 50 Euro) und jede Menge Kleinkram, kosten schließlich auch eine Stange Geld.

Herzfrequenzmesser für effektives Training

Wer effektiv trainieren will, kommt um die Anschaffung eines Pulsmesser nicht herum. Die Zeiten, in denen nach Gefühl trainiert wurde, sind endgültig vorbei. Wer ernsthaft seine Fitness verbessern möchte, der muss in einem Pulsbereich der circa 30-40 Pulsschläge umfasst trainieren. Eine so kleine Pulsspanne ohne elektronische Hilfe einzuhalten ist fast unmöglich, zumal das Belastungsempfinden je nach Tagesform täuschen kann. Liegt man ober- oder unterhalb dieses Pulsfensters ist das Training ineffektiv. Bei einer zu geringen Belastung wird kein Reizimpuls gesetzt und der Körper kann kein Leistungsplus aufbauen. Liegt man im Training oberhalb seiner individuellen „Ownzone“ schädigt man den Körper auf Dauer. Das Immunsystem wird geschwächt und es werden Tür und Tor für Infektionskrankheiten geöffnet. Grundsätzlich empfehlen wir einen ärztlichen Check für Sporteinsteiger fortgeschrittenen Alters (ab 30) oder bei bekannten Vorerkrankungen (Übergewicht, Kreislaufbeschwerden usw.). Der Pulsfrequenzbereich für das Training wird entweder mit Faustformeln berechnet oder, besser
noch, bei einer Leistungsdiagnose.

Optimale Herzfrequenz bestimmen

Die Polarpulsmesser bieten hierfür eine Funktion an. Es wird ein Ownzone-Check durchgeführt. Einfach die Grunddaten (Größe, Gewicht, Geschlecht und Alter) eingeben und mit Brustgurt und Uhr entspannt auf das Sofa legen. Die Uhr bestimmt die minimalen Zeitunterschiede zwischen den einzelnen Herzschlägen. Daraus errechnet der Pulsmesser die maximale Herzfrequenz und bestimmt die Trainingsbereiche für Fettverbrennung, aerobe Ausdauer und anaerobe Ausdauer. Bei normaler körperlicher Konstitution sind diese Werte eine gute Grundlage, um mit seinem Training zu beginnen. Polar fügt den Pulsuhren eine Tabelle bei, in der die üblichen Ownindexwerte altersabhängig aufgeführt sind. Dieser Ownindex sollte alle 4-8 Wochen neu bestimmt werden. Diese Funktion bietet eine gute Leistungskontrolle. Eine zum Vergleich durchgeführte Leistungsdiagnostik bestätigte die durch den Pulsmesser bestimmten Werte bis auf wenige Herzschläge (Abweichung von unter 2%). Diese Abweichung kann durchaus auch durch die Tagesform zustande gekommen sein. Allem Anschein nach sind die Berechnungsformeln, die zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit, herangezogen werden mehr als gut. Während die kleineren Modelle von Polar (z.B. M-Serie) sich darauf beschränken, am Ende einer Trainingssitzung einen Pulsdurchschnitt anzuzeigen, zeichnet der S710 eine EKG-genaue Pulskurve auf. Die Auflösung kann zwischen 1x pro Sekunde bis 1x pro Minute eingestellt werden. Am Ende kann direkt an der Uhr nachgeschaut werden, wieviel Zeit in der Ownzone trainiert wurde, welche Herzfrequenz bei welcher Zwischenzeit erreicht wurde und und und.

Auswertung mit Software

Wesentlich differenzierter lässt sich dies mit der mitgelieferten
Software am PC erledigen. Der Polar S710I beschränkt sich aber nicht auf die Aufzeichnung der Herzfrequenz. Folgende Daten werden zusätzlich gespeichert: Tageskilometer, Geschwindigkeit, Temperatur und Höhe. Zusätzliche Sensoren (selbstverständlich drahtlos), wie zum Beispiel ein Trittfrequenzsensor und ein Kraft-Leistungs-Sensor erweitern die Möglichkeiten des Pulsmessers und stellen zusätzliche Daten bereit. Alle erfassten Daten werden von der Software übersichtlich dargestellt. Die Darstellungsoptionen können individuell angepasst werden. Sehr gut gefallen hat uns auch die Möglichkeit, alle Monitorfunktionen über die Software einzustellen. Mit diesem Feature lassen sich alle Funktionen ohne Probleme am PC einstellen und verändern. Witzig ist der integrierte Logoeditor, mit dem der Uhr ein persönlicher Stempel aufdrückt werden kann. Als Schnittstelle zwischen Uhr und PC dient eine Standard-Infrarotschnittstelle. Über diese Schnittstelle lassen sich unter anderem verschiedene Trainingssets zum S710I senden. Je nach Trainingsziel werden so unterschiedliche Herzfrequenzen als Alarmgrenze eingestellt. Mit den Settings für das Intervalltraining (zeit- oder entfernungsabhängig) ist ein effektives leistungssteigerndes Training möglich. Insgesamt erlaubt die Polaruhr 5 verschiedene „Exercise Sets“. Die Bedienung fällt durch die großen Knöpfe auch während des Trainings leicht. Hervorzuheben ist die „Heart-Touch-Funktion“. Wird der Empfänger zum Brustgurt geführt, nimmt dieser je nach Einstellung eine Zwischenzeit, wechselt zwischen den Anzeigemodi oder stellt die aktuellen Herz-Grenzfrequenzen dar.

Fazit: Hier auf alle Funktionen der Uhr und auf das herzfrequenzgesteuerte Training einzugehen, würde den Rahmen mehr als sprengen. Der Polar S710 I erfüllt alle Anforderungen, die an einen modernen Pulsmesser gestellt werden und zeigt keine Schwächen beim täglichen Einsatz. Die S710I ist nichts für Einsteiger, die Zielgruppe liegt bei den ambitionierten Amateuren bis Profis. Das mitgelieferte Handbuch ist leicht verständlich aufgebaut und ermöglicht einen schnellen Einstieg. Leider liegt für die Software nur eine Installationsanleitung in gedruckter Form bei und kein komplettes Handbuch. Die Onlinehilfe der Polar Precision Performance Software ist aber sehr gut und im Normalfall ausreichend. Eigentliches Kernstück des Gerätes ist die Software. Mit ihr sind detaillierte Auswertungen der einzelnen Trainingssitzungen möglich. Es können sämtliche Funktionen der Uhr über die Software eingestellt und ausgelesen werden. Für Hobbysportler empfehlen wir allerdings ein kleineres Modell, beispielsweise den Polar M62 in Verbindung mit einem Tacho. Damit bleibt das Loch in der Haushaltskasse überschaubar. Die Nutzung der ganzen Funktionen des 710ers setzt eingehende Lektüre der Bedienungsanleitung voraus. Der potentielle Käufer sollte sich mit den theoretischen Grundlagen des Herzfrequenztrainings vertraut machen. Es hilft nicht wirklich weiter, sich die Diagramme anzuschauen und nicht zu verstehen, was dort dargestellt wird. Der Service im Hause Polar ist hervorragend, aber leider auch teuer. Ein Batteriewechsel schlägt mit bis zu 49,95 Euronen zu Buche (eigentlich eine große Inspektion für Sender und Empfänger). Für diesen Preis kann auch schon ein neuer Brustgurt (zwischen 25-40 Euro im Austausch) erworben werden. Wir tendieren zum Neukauf, da die Kontaktflächen mit der Zeit oxidieren und so keine genauen Pulswerte mehr gemessen werden können. Die Batterie der Uhr kann auch selbst gewechselt werden, dann verliert man natürlich jedwede Garantie und die Wasserdichtigkeit (für Schwimmer wohl wichtig) ist auch nicht mehr gewährleistet.

Funktionsübersicht:
Fahrrad-Funktionen
Tageskilometer
Geschwindigkeit (ø und max.)
Streckenbasierte Intervalle
Streckenbasierte Erholungsmessung
Radumfang für zwei Räder
Fahrradhalterung
Geschwindigkeitsmesser (drahtlos)
Trittfrequenzmesser opt.
Kraft-Leistungs-Messer opt.
Temperatur- und Höhenmessung
Polar Trainings-Funktionen
Drahtlose, EKG-Genaue Hf-Messung
Exercise Set 5
OwnCode
Polar Fitness-Test
Zielzonen mit akustischem und visuellem Alarm (Anzahl) (3)
HR max (Polar Fitness-Test basiert)
Intervall Timer
Unabhängiger Count-Down- / Count-Up Timer
Maximale Hf des Gesamttrainings
RLX-Wert
Erholungs-Messung (Hf / Zeit)
Anzahl der speicherbaren Trainingseinheiten 99
Computer-Funktionen
Infrarot-Daten-Übertragung
UpLink, zum Upload von Einstellungen auf das Herzfrequenz-Messgerät
Polar Precision Performance Software
Uhr-Funktionen
Uhrzeit mit Alarm
Zwei Zeitzonen
Datum mit Wochentagsanzeige
Stoppuhr / Anzahl der Zwischenzeiten / 99
Exercise Reminder (optisch)
Exercise Reminder (akustisch)
Wasserdicht bis 20m
Beleuchtung
Batteriewarnanzeige

Infos:
Polar Electro GmbH Deutschland
Hessenring 2
64572 Büttelborn
Tel. +49 (0)6152 / 92 36 – 0
Fax +49 (0)6152 / 92 36 – 20
E-mail: info@polar-deutschland.de
http://www.polar-deutschland.de

Michael Kozlowski

Was war, was ist, was wird. Jetzt sitze ich hier und überlege, was ich ?Über mich? schreiben könnte. Leider, oder Gott sei Dank blieben mir geistige Ergüsse, wie Einsteins E=mc2 oder die Findung der Frage auf welche die Antwort ?42? ist, erspart. Auch ist es mir nicht gelungen, den Weltfrieden herbei zu führen. Doch im Rahmen der Möglichkeiten, die sich einem 1968-Geborenen, von einer alleinerziehenden Mutter indoktrinierten Bengel aus Moers bieten, bin ich im Rückblick auf mein bisheriges Leben recht zufrieden. Die angeborene Bauernschläue nutzend, ist es mir gelungen, die zehn Pflichtschuljahre ohne Verzögerungen oder besondere Auffälligkeiten zu absolvieren. Sehr gut oder schlecht ist mir der ein oder andere Lehrkörper in Erinnerung geblieben. So bin ich bis heute von meiner damaligen Klassenlehrerin, Frau Kluge, beeindruckt. Voller Idealismus versuchte Sie mir die Hauptfächer nahezubringen. Bis auf Mathe ist ihr das auch recht gut gelungen.

Alle Beiträge ansehen von Michael Kozlowski →

Schreibe einen Kommentar