Schwalbe Sammy Slick

Schwalbe Sammy Slick – Wanderer zwischen den Welten

Den Daywalker nannte man Blade, weil er als Halbblut-Vampir am Tage, wie auch in der Nacht, auf die „Jagd“ nach seinen blutsaugenden Vampirbrüdern gehen konnte. Ähnliches könnte man dem neuen Sammy Slick von Schwalbe nachsagen. Einerseits einer fürs „Grobe“, andererseits ein echter „Feingeist“. Ein Reifen, der in der Musik wohl als Crossover bezeichnet werden würde. Doch wo hat er Stärken und wo Schwächen? Die eierlegende Wollmilchsau hat Schwalbe zwar nicht erfunden, doch der Reifen hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Das neuste Mitglied der Schwalbe-Familie stellt eine Mischung zwischen Semi-Slick und Offroad-Reifen dar

Das Bike als Arbeitstier

Wer das Rad als Arbeitstier auserkoren hat, der wird oft vor faulen Kompromissen kapitulieren müssen. Trekkingrad, Citybike, Singlespeeder, Hardtail oder Fully? Was bitte darf es sein? Ein Häppchen hiervon und davon? Das wäre fein. Geht aber leider nicht. Ein Hardtail mit Straßenreifen, gekröpften Lenker und Steckschutzblechen ist eine fahrbare Lösung. Die Wahl der Reifen: Schwalbe Big Apple. Zwei Jahre Dauereinsatz konnten dem Schwalbe nichts anhaben. Sicherlich gab es den einen oder anderen Platten, mehr auch nicht. Leider ist der Big Apple ein Ballon-Straßenreifen. Für fette Cruiser perfekt. Solange man auf der Straße blieb und es nicht zu verschneit war, ein wirklich guter Pneu.
Der Sammy Slick muss sich also gegen zwei Jahre Gewohnheit durchsetzen. Schon bei der Montage fällt auf, wie unterschiedlich die Reifen sind. Da der Sammy Slick faltbar ist, sieht er im direkten Vergleich zum Big Apple (der in der alten Version nicht faltbar war) aus, wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

Sammy Slick – Ein strammes Bürschen

Die Montage des „Daywalkers“ gestaltet sich etwas schwieriger. Mit Nachdruck will das schwarze Stück Gummi über die Felgenflanke gehebelt werden. Dafür sitzt der Pneu dann wie angegossen. Schnell noch ein wenig Druck auf die „Tube“ und den zweiten Reifen auf die Felge würgen und schon kann es los gehen. 2-4 (eher vier) Bar dürfen es schon sein. Das Bike soll ja fliegen. Wie üblich hat der Sammy eine Laufrichtung, welche mit einem kleinen Pfeil auf der Reifenflanke angegeben wird. Beim Aufziehen also darauf achten, sonst fährt das Bike rückwärts (kleiner Scherz)! In der Dimension 26×2.1 (die einzig verfügbare) ist der Reifen nicht so schmal, doch er sieht im Verhältnis zum Big Apple eher wie ein unterernährtes Frettchen aus.

Schlank und Schnell

Schlank und schnell ist der optische Eindruck. Das Gewicht von 490 Gramm unterstreicht diese Erkenntnis nochmals. Schon bei der ersten Fahrt in Richtung „Maloche“ wird klar: Länger schlafen ist angesagt! Ein völlig anderes Fahrverhalten! Das Bike schießt geradezu vorwärts und reagiert sehr sensibel auf minimale Lenkimpulse. Beim Anfahren von abgesenkten Bordsteinkanten sollte man einen steileren Winkel wählen. Der Sammy Slick ist weniger rund gezogen, dadurch hat er ein anderes Anfahrverhalten und verzeiht flache Winkel nicht so gut. Das Kurvenverhalten auf trockenen Asphalt ist etwas weniger gut als beim Big Apple. Kippliger, durch die seitlichen Stollen und die eckigere Form. Dies kehrt sich, im Gelände, zu Gunsten des Sammys um. Durch die Stollen an den Seiten bleibt der Reifen auf Feldwegen und Rollsplittpisten gut lenkbar und verbeißt sich in den Untergrund (so gut er kann). Das sind Dinge, bei dem der Big Apple vor unlösbaren Aufgaben stand. Schon winzige Mengen Sand in einer Kurve verursachten Sturzbäche von Schweiß auf der Stirn.

Souveräner Spurhalter

Der Sammy: Völlig unbeeindruckt. Souverän meistert er leichtes Gelände und verschmutze Pisten, Wiesen. Beim Abrollverhalten auf Asphalt leistet sich der Sammy keine Schwäche. Er läuft perfekt geradeaus und verbraucht keine wertvolle Antriebsenergie für die Überwindung des Rollwiderstandes. Er wirkt im ganzen agiler und direkter als der behäbige Big Apple. Als Pannenschutz hat Schwalbe die Raceguard-Technik zum Einsatz gebracht. Mehrere Lagen Nylon  und Kautschuk sollen einen Plattfuß verhindern.
Fazit: Mit dem Sammy Slick ist Schwalbe eine gute Symbiose zwischen Gelände und Straße gelungen. Ein perfekter Reifen für den Alltagseinsatz. Die eine oder andere Abkürzung auf dem Nach-Hause-Weg und für Abstecher ins leichte Gelände, während der Familienverträglichen Radtour, bringen den Sammy Slick nicht aus der Ruhe. Perfektes Abrollverhalten und gute Kurveneigenschaften können überzeugen. Auf der Straße und bei der Abkürzung über Bauers Feld kann er sich gut „profilieren“ und zeigt keine Schwächen. Auf dem Asphalt kann er kein „Hang off, Knie am Boden“ ermöglichen, doch er zeigt überdurchschnittlich gutes Kurvenverhalten und zirkelt zügig ums Eck. Ob der Raceguard einen sicheren Pannenschutz gewährleistet muss sich noch herausstellen. Im schweren Gelände ist der Reifen nicht Zuhause. Dazu reicht die Stollentiefe am Rand und in der Mitte nicht aus. Da in der Mitte nur ein minimales Profil vorhanden ist, könnte der Vortrieb auf schlammigem Untergrund äußerst schwierig werden! Der Reifen überzeugt durch seine Vielfältigkeit. Ein idealer Begleiter in jeder Situation des täglichen Radfahrerlebens und bei schnellen Spurts durch Nachbars Garten. Einziger Kritikpunkt: kein Reflexionsstreifen auf der Flanke. Nicht das wir ängstlich sind, doch sicher ist sicher! Der Sammy gehört ab sofort zum guten Ton auf dem „Fahr-Jeden-Tag-Damit-Zur-Arbeit-Rad“. Adoptiert und mit in die Familie aufgenommen.

Mehr Infos: http://www.schwalbe.de
Straßenpreis: ca. 20-25 Euro

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